Kräuterführung online

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde,

aus aktuellem Anlass biete ich hier online Kräuterführungen an.

Da zur Zeit keine Treffen in der Natur möglich sind, möchte ich Euch/ Sie auf diesem Wege mit heimischen Wildkräutern vertrauter machen.

 

Ein Vorteil unsere ländlichen Raumes ist die Natur in unmittelbarer Nähe, meist direkt vor unseren Haustüren.
Die meisten von uns haben zudem einen Garten, eine Wiese und Blumenrabatten.

 

Warten sie noch ein bisschen mit UN-Kraut jäten im Garten. Viele dieser sogenannten Unkräuter sind essbare Wildkräuter und Heilpflanzen.

Schauen sie sich in ihrem Garten und auf ihre Wiese um, sie finden Gartenschaumkraut, Löwenzahn, Spitzwegerich, Sauerampfer, Schafgarbe und Gundermann und schon haben sie einen Salat zusammen, ohne einen Supermarkt aufsuchen zu müssen.

Ganz humorig, sind einige von uns zur Zeit sogar mit der Stirnlampe im Garten unterwegs. Sehr gut, auch wenn alle Läden geschlossen haben, dieser Markt hat immer geöffnet.

 

Ich stelle hier laufend Pflanzenportaits ein.

Schauen sie rein und legen sie los!

Wichtig: Es gilt jedoch wie bei jedem Salat oder Gemüse, verlesen und waschen sie ihre Ernte bevor sie auf den Tisch kommt.

Bei Unsicherheit, ob es die richtige Pflanze ist, die sie da vor sich haben, machen sie sich erst sicher. Die Verantwortung liegt bei ihnen.

 

Viel Spaß in der Natur und mit den Kräutern!

 

Ihre Monika Wurft

24.03.2020 Beginnen möchte ich heute mit dem Gartenschaumkraut (Cardamine hirsuta).
Bestimmt sind Ihnen die kleinen Rosetten aufgefallen, die sich beinahe in jedem Garten breit machen.
Gartenschaumkräuter sind Frühlingskräuter nach dem Motto „Ernten ohne zu säen“.  

Zur Ernte schneidet man einfach die ganzen Rosetten mit einem Messer ab, wie beim Ackersalat. Es eignet sich ideal zum frischen Verzehr in einen Salat, aufs Butterbrot, im Kräuterquark, im Kartoffelsalat...Seien sie kreativ! 

 

Gartenschaumkraut, auch als Behaartes Schaumkraut bekannt, gehört zur Familie der  Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist verwandt mit Brunnenkresse und Wiesen-Schaumkraut.

Die Rosetten erinnern vom Aussehen her an Brunnenkresse in Kleinformat. Jedes seiner gefiederten Blätter setzt sich aus sechs bis acht Einzelblättchen zusammen und schließt am Ende mit einem größeren Blatt ab.
Aus der Mitte der Rosette sprießt ein kleiner Blütenstängel, mit zahlreichen weißen Blüten. Sein Trick sich neue Standort zu erschließen sind die kleinen Schoten, die die reifen Samen von sich schleudern, sobald man sie berührt.

 

Gartenschaumkraut wird schnell zum „Lieblings-Unkraut“, da es aufgrund seiner Senföle lecker nach Kresse schmeckt.
Kombiniert mit Bitterstoffen, Mineralstoffen und viel Vitamin C ist das Gartenschaumkraut eine schmackhafte und gesunde Bereicherung der Kräuterküche.

 

In der Volksheilkunde wird es zur Anregung der Verdauung, bei rheumatischen Beschwerden und zur Stimulierung des Immunsystems eingesetzt.


Es trifft zu, was der griechische Arzt Hippokrates, schon 400 v. Chr. in seinem berühmten Zitat wunderbar ausdrückt:

„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel, und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“

Rosette Gartenschaumkraut                                                       Blütenstand mit Schoten Gartenschaumkraut

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde,

eure Resonanz hat mich überwältigt! Ihr seid einfach klasse! Macht weiter so und herzlichen Dank!

 

Schaut euch rund ums Gartenschaumkraut um und ihr findet gleich den nächsten Kanditaten für euren Salat!

25.03.2020 Heute geht es mit einem Plädoyer für den Löwenzahn (Taraxacum officinale) aus der Familie der Korbblütler, in die zweite Runde.

 

Da haben wir den (Löwenzahn) Salat und er wächst auch noch überall.
Seine zarten Rosetten mit den gezackten Blättern sind bestens bekannt und sie werden ihn im Garten und auf der Wiese üppig finden.

So jung und zart wie zurzeit schmecken die Blättchen besonders lecker und können als reiner Löwenzahnsalat, als Zugabe zu Blattsalaten, im Kartoffelsalat oder im Kräuterquark verwendet werden.
Doch das ist längst nicht alles. Am Löwenzahn ist alles essbar. Seine knackigen Knospen lassen sich in Öl gebraten als Wildgemüse zubereiten und seine gelben Blüten sind demnächst als essbare Dekoration, in Kräuterbutter oder über Salate gestreut eine Augenweide. Selbst seine kräftigen Pfahlwurzeln können sie als Gemüse zubereiten, oder sie setzen einen Magenbitter damit an.

Geröstete und gemahlene Löwenzahnwurzeln ergeben zudem einen bekömmlichen Kaffeeersatz.

Löwenzahn hat´s zudem in sich. Botanisch heißt er Taraxacum officinale, „bitteres Kraut“ und ist eine alte, geschätzte Heilpflanze.
Auch als Kuhblume, Bitterblume, Bettseicher oder Butterblume bekannt, liegt seine Hauptwirkung im Magen- Darmbereich. Seine Bitterstoffe kombiniert mit Gerbstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen regen die Verdauung, die Nierentätigkeit und die Produktion von Gallensaft an. So kommt die Heilpflanze in der Volksheilkunde unter anderem bei Verstopfung, Völlegefühl und Blähungen, bei Appetitlosigkeit und bei Harnwegsinfekten in Form von Tee, Tinktur und frischem Presssaft zum Einsatz.
Übrigens Bitterstoffpflanzen wie der Löwenzahn unterstützen die Blutbildung, stimulieren das Immunsystem und tonisieren Körper und Seele.


Wohl dem der Löwenzahn zur Blüte kommen lässt, Kinder können damit Trompeten und Wasserleitungen basteln oder begeistert zusehen wenn die Pusteblume jedes Samenkorn an einem Fallschirmchen davonsegeln lässt.

 

Das dauert noch eine ganze Weile, jetzt kommt erst der Löwenzahnsalat dran und der schmeckt lecker!
Dazu 3 Handvoll gewaschenen und trocken geschleuderten Löwenzahnblätter mit 1 gewürfelten Zwiebel vermischen. 

4 EL Öl, 2 EL Essig, 1 EL Senf, etwas Creme fraîche oder Sahne, Salz und Pfeffer miteinander vermischen und eine mittelgroße gekochte Kartoffel mit einer Gabel zerdrücken und unterrühren. Diese sämige Salatsoße unter den Löwenzahn heben.
Tipp: Je nach Geschmack kann 1 in Würfel geschnittene hartes Ei oder/und etwas ausgelassener Speck untergehoben werden. Gartenschaumkraut schmeckt ebenfalls gut dazu.

Viel Freude mit dem Löwenzahn und guten Appetit! 

 

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde

27.03.2020 Die Kräuterführung wird heute etwas sch(m)erzhaft :)

Schauen sie mal unter ihren Hecken, neben dem Kompost, an „wilden“ Stellen in ihrem Garten und schon können sie ihr eigenes Süppchen kochen!

Handschuhe nicht vergessen....

Viel Spaß dabei!

 

Denn heute geht es um die Brennnessel (Urtica dioca) aus der Familie der Brennnesselgewächse, deren zarte Triebspitzen sich jetzt zur Ernte anpreisen!


Da sie brennt, entwickelt sich die Liebe zu ihr erst auf den zweiten Blick.

 

Mein Tipp: Brennnesseln ernten sie am besten mit einem dicken Wollhandschuh und einer Schere.

Zum Waschen können sie einen Schaumlöffel verwenden und schon steht einer kulinarischen Karriere der Brennnessel in ihrer Küche nichts mehr im Wege.

Brennnessel lassen sich wunderbar zu Brennnesselspinat, Suppen, Pfannkuchen, Omelettes oder auf einer Wildkräuter-Pizza verwenden.


Echt lecker und total gesund! Brennnesseln sind wahre Vitaminbomben.
Sie enthalten 10-mal so viel Vitamin C wie Kopfsalat, zahlreiche Mineralstoffe, Spurenelemente, Flavonoide und Kieselsäure. Selbst roh können sie sie essen, allerdings sollten sie davor die Brennhaare, durch etwas Druck, z.B. mit einem Nudelholz „entschärfen". 

Bevor sie das tun, schauen sie sich der Brennnessel bitte näher an. Im Moment noch klein und zart, entwickeln sie im Laufe des Frühlings markante kantige Stängel mit spitzen, grob gezähnten Blättern.
Ihre Brenntechnik setzt sie erfolgreich als Fraßschutz ein. Verantwortlich sind die langen spitzen Brennhaare an Stängeln und Blättern. Diese sind hart und spröde wie Glas und brechen bei Kontakt ab. Es entsteht eine scharfe Bruchstelle, die dann die Haut anritzt. Das darin enthaltene „Nesselgift“, eine Mischung aus Histamin und Ameisensäure führt zu den juckenden und brennenden Quaddeln.

 

Gut zu wissen, auch bei der Brennnessel haben wir es mit einer alten Heilpflanze zu tun, die durch ihre Inhaltstoffe den gesamten Stoffwechsel anregt und das Immunsystem stärkt. Sie wirkt entzündungshemmend, harntreibend, adstringierend und schmerzlindernd und wird bei rheumatischen Beschwerden, Arthrose, Hauterkrankungen und Harnwegsinfekten eingesetzt. In der Volksheilkunde kommt sie als Tee, Tinktur oder Frischpflanzenpresssaft zum Einsatz.

 

Auf geht’s zur Brennnesselsuppe

Dazu einfach 1 Zwiebel, 2 Karotten, 1 Kartoffel waschen, putzen, klein schneiden und in etwas Öl andünsten.
Diese dann mit ca. 3/4l Gemüsebrühe ablöschen und weichkochen.
200 g Brennnesselblätter, ebenfalls waschen, kleinschneiden und zur Suppe geben.
Alles zusammen kurz aufkochen lassen und dann mit dem Pürierstab mixen.
Nach ihrer persönlichen Vorliebe mit Salz, Pfeffer und einem Schuss Sahne abschmecken. (Leicht scharf mit etwas Chili schmeckt sie auch gut)

 

Mit Gänseblümchen dekoriert wird eine Augenweide daraus.

 

Viel Freude mit den Brennnesseln und guten Appetit! 

 

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde!

30.03.2020 Heute schauen wir uns eine Pflanze an, die wir auch mitten im Winter an geschützten Stellen finden. Jetzt Ende März wächst sie allerdings wie wild geworden:) und blüht je nach Höhenlage auch schon üppig. Klein und Oho das ist ihr Motto!

Viel Spaß!

 

Wie von Zauberhand breitet sich auch dieses Pflänzchen in unseren Gärten und Blumenbeeten aus und braucht nur geerntet zu werden.

Die Rede ist von der Vogelmiere (Stellaria media) aus der Familie der Nelkengewächse. 

Viele kennen sie, unter regionalen Namen wie Hühnerdarm, Vogelkraut oder Vogelbiss, meist nur als Vogelfutter für den Kanarienvogel.

 

Dabei kann die Vogelmiere viel mehr. Gut zu wissen, dass sie wesentlich mehr Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen als Kopfsalat enthält, ein willkommener Vitamin A, C und B-Lieferant ist und darüber hinaus Saponine, Schleimstoffe, Flavonoide, Kieselsäure und Gamma- Linolensäure bietet.
In der Volksheilkunde wird die Vogelmiere wegen ihrer verdauungsfördernden, harntreibenden und schleimlösenden Wirkung bei Husten, Verdauungsbeschwerden und Blasenproblemen eingesetzt.

 

In der Kräuterküche kann sie komplett mit den zarten Blüten und Fruchtkapseln verwendet werden und schmeckt mildwürzig nach jungen Maiskolben. Nach dem Waschen und Verlesen, schneidet man die ganzen Büschel einfach mit einem scharfen Messer klein und legt sie entweder direkt aufs Butterbrot oder kombiniert sie mit anderen Kräutern im Salat, als Spinat, in Suppen, in Pestos und Kräuterbutter oder einem Smoothie.


Zu erkennen ist sie an den langen Stängeln mit den saatgrünen eiförmigen Blättchen, die wie ein Netz den Boden überziehen und an den vielen kleinen leuchtendweißen, sternförmigen Blüten. Vogelmiere kommt gern in flächendeckenden Beständen vor. Meist sind mehrere Pflanzen miteinander verwachsen und man erntet sie am besten in ganzen Büscheln mit einer Schere.

Mit Kindern macht es Spaß mit der Vogelmiere etwas grün zu färben wir hier den Teig für die Grünen Brötchen:  

2 Handvoll Vogelmiere gewaschen und verlesen in 1/4 l Milch pürieren. Diese Milch mit 500 g Mehl, 20 g Hefe, 100 g Butter und Salz zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Kleine Brötchen formen, mit dem Messer einschneiden und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzten. Die Brötchen gehen lassen bis sie sich in der Größe verdoppelt haben und bei 200°C ca. 20-25 Minuten im Backofen backen.

Viel Freude mit der Vogelmiere und guten Appetit!

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde,

02.04.2020 Wer von ihnen nicht an Bärlauch kommt, kann dafür diese Pflanze üppig verwenden.

Viel Spaß!

 

So wie auf dem Bild rechts sieht die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) zurzeit bei mir aus. Je nach Höhelage kann das bei ihnen variieren.

Dieser leckere und würzige Kreuzblütler, auch als Lauchhederich oder Lauchkraut bekannt, ist eine prima Alternative zu Bärlauch. In Nadelwäldern, wie im Schwarzwald macht sich der Bärlauch ja bekanntlich rar. Die Knoblauchsrauke ist da eine prima Alternative. Sie wächst im Garten, in Mauern (siehe Bild) an Waldwegen, Böschungen, unter Hecken und an Zäunen. Zurzeit fallen die Rosetten mit den langstielten, herzförmigen, sattgrünen Grundblättern besonders ins Auge und sie brauchen bloß zuzugreifen. Ihr Geschmack nach Knoblauch gepaart mit einer leichten senfartigen Schärfe zeichnet dieses delikate Würzkraut aus. Die Blätter können sie in Kräuterquark schneiden, für Soßen, Suppen und im Salat verwenden. Auch in Pesto, Kräuterbutter oder einfach aufs Butterbrot schmecken sie prima.

 

Toll finde ich, dass sie einmal abgeschnitten schnell wieder nachwächst.

 

Es lohnt sich die Knoblauchsrauke in den nächsten Wochen zu beobachten, denn sie ändert sie im Laufe des Frühlings ihr Gesicht. Zunächst entwickeln sich aus der Mitte der herzförmigen Grundblätter bis 1m hohen Blütenstängeln. Die Stängelblätter werden zunehmend spitzer und erinnern eher an Brennnesselblätter. Am Stängelende zeigt sich ein traubigen Blütenstand mit zahlreichen weißen Blüten.
Interessant sind ihre schwarzen, scharfschmeckende Samen, die in 6 cm lange Schoten heranreifen und bei Samenreife auf den Boden fallen. 
Ganz leicht lässt sich die Knoblauchrauke damit im eigenen Garten ansiedeln. Im Sommer einfach einige Samen beim Spaziergang von einer Pflanze abzustreifen und bei sich daheim großzügig verteilen. So wird ein Selbstläufer daraus, denn einmal im Garten immer im Garten, die Samen werden durch Ameisen verteilt und einer reichen Ernte in den kommenden Jahren steht nichts im Wege.

 

In der Volkheilkunde wird frische Knoblauchsrauke wegen ihrer Senföle, Vitamine und Ätherischen Öle bei Frühjahrskuren zur allgemeinen Stärkung, bei Krankheiten der Atemwege, bei rheumatischen Beschwerden und Gicht verwendet . Sie gilt als entzündungshemmend, desinfizierend und leicht harntreibend. Auch diese Pflanze mit ihren Senfölen wirkt sich, wie Gartenschaumkraut und Brunnenkresse, positiv aufs Immunsystem aus!

 

Pfannenkuchen mit Knoblauchsrauke
Aus 2 Handvoll Knoblauchsrauke, gewaschen und kleingeschnitten mit ca. ¼ l Milch oder Sprudelwasser pürieren und mit 2 Eier und etwas Salz zu einen dünnflüssigen Teig verrühren. Pfannenkuchen mit wenig Butter oder Öl in einer Pfanne knusprig ausbacken.

Mischungen mit anderen Kräutern wie z.B. Giersch, Vogelmiere und Brennnesseln ergeben unterschiedliche interessante Geschmacksvariationen.

Mein Tipp: Gefüllt mit Löwenzahnsalat, eine tolle Frühlingsrolle!:)

 

Also nichts wie ran an die Knoblauchsrauke und guten Appetit!

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde,

04.04.2020 Für das heutige Wildgemüse wurde der Spruch "Unkraut vergeht nicht" eigens kreiert! :)
Auch das Motto "Aufessen statt Jäten" passt sehr gut zu ihm!

Schauen sie unter ihren Hecken, im Blumenbeet, unter Beerensträucher und am Kompost nach. Sie werden mit ziemlicher Sicherheit fündig!

Viel Spaß!

 

Es geht um den wuchsfreudigen Giersch (Aegopodium podagraria), der den meisten von ihnen kein Unbekannter sein wird.

Sie erkennen ihn vermutlich schon von Weitem? Mit seinen dreigeteilten Blättern, die auf einem gefurchten Stängel sitzen und seinen unterirdischen Wurzelausläufern gehört er nämlich zu den verbreitesten „Unkräutern“ im Garten.

Die gute Nachricht: Lassen sie den Spaten ruhen, nehmen sie ganz entspannt ein Blatt und zerreiben es zwischen den Fingern. Nun riechen sie daran und sie erleben einen appetitlichen Duft, irgendwo zwischen Möhren, Petersilie und Anis!

 

Giersch gehört zu dieser großen Familie der Doldenblütler und ist mit Möhren, Petersilie und Anis, aber auch mit Sellerie, Kümmel, Fenchel, Liebstöckel, Pastinaken und vielen anderen Gemüse- und Gewürzpflanzen verwandt. Ab Juni kann man seine Zugehörigkeit zu den Doldenblütlern an seinen weißen Blütendolden gut erkennen. (siehe Bild unten)

Doch zurzeit wandern seine zarten Blätter in großen Mengen und immer wieder frisch abgeschnitten in die Küche. Das Geniale ist auch hier, sie wachsen ganz schnell wieder nach.

 

Einmal auf den Geruch und den Geschmack gekommen steigt die Hochachtung vor dem leckeren Kraut. Giersch ist ein Wildgemüse das wie Spinat zubereitet werden kann. Ganz nach ihrer persönlichen Vorliebe in Kombination mit Brennnessel. Gut schmeckt er auch im Salat, zu Kartoffel- und Nudelgerichten, in Suppen, Pestos und in Kräuterbutter, aber auch in Smoothies, Kräuterschorle oder ganz einfach als Brotbelag.

 

Ausserdem ist Giersch eine alte Heilpflanze und wird als solche wieder neu entdeckt. In der Volksheilkunde kommt er auf Grund seiner Ätherischen Öle, Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe innerlich als Tee oder Frischpflanzenpresssaft bei rheumatischen Beschwerden, Arthrose und Gicht zum Einsatz. Äußerlich kann ein Umschlag aus dem Teeauszug oder, die gequetschten Gierschblätter, auf schmerzhafte Gelenke gelegt Linderung bringen.

 

Probieren sie diese Quiche aus, oder nehmen sie ihre hauseigenen Pizza- und Flammkuchenrezepte und experimentieren sie damit!

Gierschquiche

Einen Boden aus 200 g Mehl, 125 g Butter, einem Ei und etwas Salz herstellen und diesen auf einem gefetteten, runden Backblech auslegen.

Für den Belag nehmen sie 3- 4 Handvoll Giersch, ca. 30 g Butter, 200 g saure Sahne, Sauerrahm oder Joghurt, etwas geriebener Käse, Salz, Pfeffer, Muskatnuss, je nach Geschmack.  Wenn sie die Menge verdoppeln, wird ihre Quiche höher und die Backzeit dauert etwas länger.

Den Giersch waschen, trockenschleudern, in Streifen schneiden und in einer Pfanne mit der Butter andünsten.

Sahne, Sauerrahm oder Joghurt unterheben und mit den Gewürzen kräftig abschmecken.

Die Masse auf dem Teig verteilen, den Käse darüber streuen und die Quiche im Backofen bei 180 - 200 ° C ca. 30 Minuten backen.

Kombinationen mit Brennnessel, Löwenzahn und Sauerampfer schmecken sehr gut. Dazu passt ein Wildkräutersalat gut.

Ran an den Giersch und guten Appetit!

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde

08.04.2020  Zunächst möchte ich mich nochmal bei allen bedanken! Ich bekomme jeden Tag von irgendwo her postive Rückmeldungen!

Das tut richtig gut! Danke:)

 

Im Gegenzug möchte ich sie heute mit einer Wildpflanze erfreuen, die sehr gut in die Osterzeit passt.

Morgen an Gründonnerstag kommt sie gemeinsam mit den anderen Kräutern der Kräuterführung als Grüne Soße auf den Tisch.

Viel Spaß !

 

 

Keine Gurke im Haus?

Kein Problem, gehen sie einfach in den Garten oder machen sie einen Spaziergang und halten sie nach dem Kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor) Ausschau. Sie finden ihn auf sonnigen, warmen und nährstoffarmen Standorten, wie auf wenig gedüngten Wiesen, an Wegrainen und in Trockenrasen.

 

Sie haben noch nie etwas von ihm gehört?
Auch das ist kein Problem, den meisten ist der Kleine Wiesenknopf aus der Familie der Rosengewächse zunächst kein Begriff. Die Büschel mit den zarten Fiederblättchen aus deren Mitte sich zur Blütezeit markante Stängel mit 1- 2 cm großen Blütenköpfchen emporrecken, heißen im Küchenjargon nämlich Pimpinelle.

Der Kleine Wiesenknopf oder auch Pimpinelle ist wegen seines kräftigen, gurkenähnlichen Geschmacks ein beliebtes Küchenkraut. Ich lade sie ein, wie auf einer Kräuterführung probieren sie in ihn und sie Erschmecken die Gurke!

Jedes seiner Blätter setzt sich aus 4-7 gezähnten Blattpaaren und einem gleichgroßen Endblättchen zusammen. Jung und noch eingerollt schmecken sie am besten und werden als Brotbelag, als Salatbeigabe, in Smoothies, in Kartoffelsalat, Eierspeisen, in Kräuterbutter, Zatziki und für Wildkräutersuppen verwendet.

Im eigenen Garten stellt er sich meist von selbst ein, ist pflegeleicht, verbreitet sich munter weiter und muss nur geerntet werden.

Werden seine Blätter im Laufe des Sommers zäh, verpassen sie ihm einen kräftigen Rückschnitt. Er wächst schnell nach und kann bis weit in den Herbst geerntet werden und in milden Wintern sogar ganzjährig. 

In der Volksheilkunde wird der Kleine Wiesenknopf wegen seiner Gerbstoffe, Flavonoide und Saponine bei Verdauungsbeschwerden und als harntreibendes und appetitanregendes Mittel verwendet.
Äußerlich wird er zur Wundheilung, bei Verbrennungen, Sonnenbrand und zum Gurgeln bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt.
Als Vitamin- C Lieferant stärkt auch er das Immunsystem und ist hilfreich bei Frühjahrsmüdigkeit.

 

Doch morgen ist Gründonnerstag und damit der Tag für die Grüne Soße! 

Dazu 2-3 Handvoll Wildkräuter: Kleiner Wiesenknopf (Pimpinelle), Löwenzahn, entschärfte Brennnessel (dazu die Brennnessel zwischen zwei Brettchen zusammendrücken, damit die Brennnhaare abgeknickt werden), Giersch, Knoblauchsrauke, Vogelmiere, Spitzwegerich, Sauerampfer, Schafgarbe und Gartenschaumkraut waschen, verlesen, trockenschleudern und fein hacken.

Weitere Zutaten: 200 g Saure Sahne oder Creme Fraîche, 150 g Joghurt, etwas Sahne, 2 hart gekochte Eier, 1 Zwiebel, Kräutersalz, Pfeffer, Paprika.

 

Die saure Sahne und das Joghurt rühren sie mit der Sahne zur cremigen Soße.
Die Wildkräuter, das gehackte Ei und die kleingeschnittene Zwiebel heben sie unter die Soße und schmecken sie mit den Gewürzen kräftig ab.
Zum Dekorieren können sie Gänseblümchen, Veilchen und Schlüsselblumen verwenden. Pellkartoffel schmecken prima dazu.
Das Rezept kann mit Gartenkräutern wie Kresse, Petersilie oder Schnittlauch kombiniert werden.

Wenn sie die Zutaten nicht im Hause haben, werden sie kreativ. Saure Sahne, Joghurt und Creme Fraîche können sie auch durch Quark, Topfen

und /oder Frischkäse ersetzen. Zerdrückter Schafskäse/ Feta und ein Schuss Olivenöl schmeckt ebenfalls klasse darin!

Viel Spaß mit den kleinen Wilden und guten Appetit!

 

Liebe KräuterFreundinnen und Kräuter Freunde!

15.04.2020 Heute möchte ich sie in den Laubwald mitnehmen zu einer Pflanze die man im Nadelwald vergelblich sucht.

Auf zum Bärlauch (Allium ursinum) aus der Familie der Lauchgewächse.

 

Warum das so ist, ist aus Sicht des Bärlauchs schnell erklärt. Bärlauch hat sich auf Wälder spezialisiert und nimmt damit schon eine relativ kurze Vegetationsphase in Kauf. Da er jedoch wie alle Pflanzen Sonnenlicht zur Photosynthese braucht, hat er seinen Lebenszyklus auf den Blattaustrieb der Laubbäume ausgerichtet. Er nützt die Zeit von Februar bis April für seine Wachstumsphase solange die Laubbäume über ihm noch kahl sind.

In immergrünen Nadelwäldern bekommt der Bärlauch zu wenig Sonne ab. Dafür greift er in Laubwäldern, Auwäldern, Parkanlagen oder an lichten Waldrändern und Uferböschungen ab März flächendeckend um sich.
Je nachdem wo sie wohnen finden sie zur Zeit knackige Blätter in höheren Lagen und Knospen und Blüten in tieferen Lagen. Wenn der Wald nach Bärlauch riecht, dann sind seine Blätter im Abbauprozess. Greifen sie dann zu den Blüten.

 

Blätter, Knospen und Blüten, alle drei Varitianen können sie essen! Die Blätter werden zu Pestos verarbeitet, in Salate, Kräuterquark und Kräuterbutter geschnippelt oder einfach aufs Butterbrot gelegt. Knospen und Blüten sind in Salaten, aufs Butterbrot, in einer Suppe schwimmend und überall als essbare Dekoration eine auffällige und schmackhafte Delikatesse.

Peppen sie ihren Speiseplan mit frischem Bärlauch auf und sehen sie ihn als leckeres Wildgemüse und Frühjahrskur aus der Küche.
Die im Bärlauch enthaltenen Lauchöle, Flavonoide, Saponine, Ätherischen Öle und Vitamine sprechen zudem für sich und zeigen auch noch eine positive Wirkung bei Arteriosklerose und Bluthochdruck.

 

Beim Bärlauch stellt sich immer wieder die Frage der Verwechslungen mit Maiglöckchen, Aronstab und den Blättern der Herbstzeitlose, die alle drei giftig sind.

Dazu schauen wir uns den Bärlauch genau an. 

Seine grünen Blattspitzen schieben sich aus einer kleinen Zwiebel ans Tageslicht und entwickeln sich schnell zu gestielten, lanzettlichen Blättern mit parallel verlaufenden Blattnerven. Zwischen den Händen zerrieben riechen sie deutlich nach Knoblauch. Gemäß seiner Verwandtschaft mit Lauch, Zwiebel und Schnittlauch setzt sich seine kugelige Blütendolde des Bärlauchs aus bis zu 25 sternförmigen, weißen Einzelblüten zusammen.

 

Die Blätter des Aronstabes (Arum maculatum) weisen im fortgeschrittenen Stadium am Stängelansatz zwei markante Zipfel auf, ähnlich wie beim Sauerampfer. Die jungen Blätter haben diese markanten Zipfel jedoch noch nicht. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sind dann die Blattnerven, die beim Aronstab netzartig verlaufen und beim Bärlauch parallel.

Maiglöckchenblätter (Convallaria majalis) stecken immer zu zweit in einem Schaft und ihre typischen weißen Glöckchen erscheinen gleichzeitig mit dem Blattaustrieb.

Bei den Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale), die im Herbst zuvor geblüht haben, zeigen sich im Frühjahr die ungestielten Blätter aus einer markanten trichterartigen Rosette.

Wer sich jetzt immer noch nicht sicher ist, der sollte die ersten Male einen Bärlauch-Kenner zur Ernte mitnehmen. Übung macht dem Meister!

Unter Pflanzenkunde finden sie Bilder zu Aronstab, Herbstzeitloser und Maiglöckchen.


Noch ein Trick, siedeln sie
Bärlauch bei sich im Garten an. Wird er seinem natürlichen Standort gemäß unter Laubbäumen oder einer Laubhecke gepflanzt, entwickelt er sich schnell zum Selbstläufer. Viele Gärtnereien bieten Bärlauch in Töpfen an und die weitere Vermehrung über seine Zwiebeln und die Früchte (Samen) geht in den folgenden Jahren von alleine.
Die relativ schweren Früchte des Bärlauchs werden durch Ameisen verbreitet. Sie sammeln sie wegen ihres fettigen Anhängsels, dem Elaiosom. Da sie unterwegs zum Ameisennest ab und zu welche verlieren, sorgen sie so für die Vermehrung des Bärlauchs. Einfach genial!

 

Ein Rezept kommt bei meiner Familie besonders gut an und braucht auch nicht viele Zutaten.

Grüne Pfannkuchen oder Frühlingsrolle!

1 Handvoll Bärlauchblätter, 200- 250 g Mehl, 600- 800 ml Sprudel, Salz.

Mehl, Sprudel und Salz mit einem Schneebesen verrühren und den fein gehackten Bärlauch unterheben.
Öl in der Pfanne erhitzen und dünne Pfannkuchen ausbacken. Durch die Kohlensäure im Sprudel wird der Pfannkuchen locker.

Tipp Je feiner der Bärlauch gehackt oder gemixt wird, desto grüner werden die Pfannkuchen.

Dazu schmeckt ein Wildkräutersalat: Diesen auf den Pfannkuchen gegeben und darin einwickeln. Schon haben sie eine Frühlingsrolle! Kinder haben ihren Spaß daran!

 

Guten Appetit!

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde!

22.04.2020 Heute führt uns unsere Kräuterführung in royale Gefilde, zum "König des Weges"! :)

Viel Spaß mit dem leckeren und gesunden Spitzwegerich!

 

 

Den Spitzwegerich (Plantago lanceolata) müssen wir nicht suchen, er begegnet uns auf Schritt und Tritt, an Wegrändern, nicht überdüngten Wiesen und in unseren Gärten und Blumenbeeten.

Doch für einen König ist er zugegeben ziemlich unscheinbar. Mit seiner dunkelgrünen Blattrosette und den schmalen lanzettlichen Blättern zieht er die Blicke nicht gerade an. Auch seine dunkelbraunen Knospen sind unscheinbar und nicht wirklich königlich.  

Wären da nicht die zierlichen Staubfäden (siehe Bild), mit denen sich jede Blütenähre wie mit einem Heiligenschein umgrenzt und diese sichtbar macht, wir würden womöglich achtlos an ihm vorbeigehen.

Doch aus zwei triftigen Gründen kommen wir am „König des Weges“nicht vorbei: Zum einen ist das seine Vormachtstellung entlang unserer Wege und zum andern, weil er eine tolle Heilpflanze ist.

 

Spitzwegerich ist eine Pflanze fürs Immunsystem! Er kann als Tee, Tinktur, Frischpflanzenpresssaft und Sirup zubereitet werden. Seinen Schleimstoffen, Bitter- und Gerbstoffen, der Kieselsäure und den Mineralstoffen, doch vorallem dem Glykosid Aucubin ist es zu verdanken, dass er eine wirksame Heilpflanze bei Atemwegserkrankungen wie Reizhusten, Bronchitis und Entzündungen im Mund- und Rachenraum ist. Aufgrund der antibakteriellen Wirkung des Aucubins spricht ihm die Volksheilkunde als Phytobiotikum, die Wirkung eines pflanzlichen Antibiotikums zu.

 

Äußerlich kennen ihn viele, weil er bei Insektenstichen, Juckreiz, kleinen Verletzungen und auch bei Brennnesselquaddeln und Pickeln zum Einsatz kommt. Dazu wird ein sauberes Blatt zwischen den Fingern zerrieben und die betroffene Stelle mit dem austretenden Saft betupft. Da Juckreiz und Schmerz schnell zurück gehen ist er ein willkommenes „Wiesenpflaster“ für unterwegs. 

 

Für die Küche ist der nach Champignon schmeckende Spitzwegerich eine besondere Delikatesse. Die Blätter werden zu Suppen, Kräuterquark, Salat und Wildgemüse verarbeitet. Zurzeit können sie direkt von der Wiese die Blütenknospen knabbern und den Geschmack nach Champignon pur genießen.  

 

Ausserdem habe ich heute zwei Rezepte für sie, eine pilzige Spitzwegerichsuppe und Spitzwegerichsirup für ihre Hausapotheke!

 

Für die Spitzwegerichsuppe brauchen sie eine Handvoll Spitzwegerichblätter, ¾ l Gemüsebrühe, 2-3 EL Mehl, ¼ l Sahne oder Milch, Salz, Pfeffer, und Muskat.

Die Spitzwegerichblätter werden gewaschen, fein geschnitten und in der Gemüsebrühe 15 Minuten sanft geköchelt, damit sich der feine Pilzgeschmack entwickeln kann.

Zum Andicken rühren sie das Mehl mit etwas kalter Milch oder Wasser an, rühren es in die heiße Suppe und lassen diese zum Andicken kurz aufkochen.

Die Suppe wird zum Schluss mit der Sahne und den Gewürzen abgeschmeckt, evtl püriert und mit Gänseblümchen dekoriert serviert.

Tipp: Sie können das Mehl durch Kartoffelstärke ersetzten oder kleingeschnittene Kartoffelstückchen mitkochen, das verändert allerdings den Geschmack der Suppe.

 

Spitzwegerich- Honig- Sirup

Dafür werden im Wechsel kleingeschnittene Spitzwegerichblätter und Honig in ein Glas geschichtet. Die letzte Schicht ist Honig, der den Spitzwegerich abdeckt. Den Sirup 8- 12 Wochen ausziehen lassen, dann abseihen.

Meine Empfehlung für sie, einen Sirup-Vorrat für die Hausapotheke anzulegen, damit in Erkältungszeiten sofort darauf zurückgegriffen werden kann.

 

Viel Freude am Spitzwegerich!

 

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde!

29.04.2020 Heute wird es dufte! Wir suchen den Meister des Waldes!

Viel Spaß mit Maibowle und Co!

 

Wenn sich an lichten Stellen im Wald viele kleine Blattquirle der Sonne entgegen recken, lohnt es sich näher hinzuschauen.

Guckt da etwa Waldmeister (Gallium odoratum) unterm Laub hervor? Charakteristisch für den Waldmeister ist, dass er dort wo es ihm gefällt großflächig auftritt. Außerdem hat Waldmeister einen vierkantigen Stängel, der sich nicht verzweigt und wird nur zwischen 20 und 30 cm hoch.

Auffallend sind seine spitzen Blättchen, die in Etagen wie kleine Quirle rund um den Stängel stehen und seine weißen, sternförmigen, zarten Blüten die sich meist im Mai zeigen.

Wenn sie sich nun die Pflanze voller Erwartung unter die Nase halten kommen sie vielleicht doch ins Grübeln. Sie riechen nichts und trotzdem sind sie sicher, dass es sich um Waldmeister handelt? Zerreiben sie das Kraut zwischen den Finger oder lassen sie es leicht anwelken.

Jetzt erst zeigt es sich der typische Waldmeisterduft und die Vorfreude auf eine Maibowle steigt!

Verantwortlich für den Duft ist Cumarin. Genau genommen enthält Waldmeister aus der Familie der Rötegewächse Cumaringlycoside, eine Vorstufe von Cumarin. Erst beim Verwelken oder Verletzten entsteht unter Einwirkung von Enzymen das eigentliche Cumarin.

Mit ihm nahe verwandt sind Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Echtes Labkraut (Galium verum), sowie Kletten- (Galium aparine) und Wiesen-Labkraut (Gallium molugo). Obwohl diese Verwandten des Waldmeisters alle essbar sind, hat jedoch nur der Waldmeister Cumaringlycoside, und damit diesen besonderen Duft.

Das macht ihn einzigartig und seine Ernennung zum "Meister des Waldes" ist somit nachvollziehbar.


Neben den Cumaringlycosiden enthält Waldmeister Asperulosid, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Flavonoide und wird bei Magen- und Darmbeschwerden, Schlaflosigkeit, Unruhezuständen und bei Migräne in der Volksheilkunde meist als Tee und in Teemischungen verwendet. Äußerlich zeigen die frischen, zerquetschten Blättchen eine lindernde Wirkung bei Insektenstichen und Brennnesselquaddeln.

 

Für kurze Erntewege lässt sich Waldmeister im eigenen Garten unter laubabwerfenden Hecken und Sträuchern ansiedeln, Hauptsache der Standort ist nicht zu sonnig. In Gärtnereien können sie ein Töpfchen kaufen und im Garten auspflanzen. Ein Waldmeister-Teppich wird’s dann von allein!

Zur Ernte werden die komplette Waldmeisterstängel am besten mit einer Schere abgeschnitten oder mit dem Fingernagel abgezwickt.
Sie eignen sich zum Aromatisieren von Leitungs- oder Mineralwasser, Limonade, Sirup, Götterspeisen, Eis, Gelee, Duftpotpourris und Kräuterkissen und natürlich für die berühmte Maibowle!

 

Maibowle

Dazu binden sie ca. 5- 8 Stängel Waldmeister mit einem Faden zusammen, drücken das Büschel mit den Händen an und hängen es für 2-3 Std. in
1l Weißwein, den sie
kaltstellen.

Dann nehmen sie das Waldmeisterbüschel aus dem aromatisierten Wein heraus und gießen ihn mit kaltem Sekt oder Mineralwasser auf.

In jedes Glas kann ein frischer Waldmeisterstängel als Dekoration zugegeben werden.

 

Waldmeisterlimonade

Auch hier 5- 8 Stängel Waldmeister für ca. 1-2 Stunden (je nach gewünschter Geschmacksintensität) in 1l Apfelsaft geben.

Das Büschel entfernen und das Getränk mit Mineralwasser, dem Saft von 1 Zitrone und je nach Geschmack mit etwas Waldmeistersirup abschmecken.

 

Duftkissen

Den Duft und die damit verbundene beruhigende Wirkung des Waldmeisters kann man sich in einem Duftkissen zunutze machen. Dazu wird getrockneter Waldmeister, auch in Kombinationen mit anderen getrockneten Kräutern wie Steinklee, Hopfen, Rose und Lavendel in einen kleinen Kissenbezug gefüllt und zugenäht. Kinder können sich ihre Duftlieblinge selbst zusammenstellen. Sobald die Kräuter ihre Duftwirkung beim Drücken verloren haben, sollten sie ersetzt werden.

Die Saison der duftenden Kräuter steht uns ja über den Sommer noch bevor und wir können die gewünschten Kräuter nach und nach ernten und trocknen.

Viel Freude mit dem Waldmeister!

 

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde!

07.05.2020 Zu den Corona- Lockerungen gibt es heute was Süßes obendrauf!!

Dazu schauen wir uns den Gundermann genauer an.

Viel Spaß mit Wiesenkonfekt und Wildbienen!

 

Überall kann man nun die kerzenartigen, nach oben gereckten Blütenstände des Gundermann (Glechoma hederacea) entdecken!

Diese machen ihn zur Blütezeit, die je nach Höhenlage von April bis in den Juni dauert, besonders auffallend.

Der ansonsten rankende und eher unscheinbare Gundermann, präsentiert momentan den Bienen seine kleinen blau- violetten Lippenblüten. Wer sich die Zeit nimmt und das Geschehen um die Blüten beobachtet, entdeckt die unterschiedlichsten Wildbienen, die sich den Nektar holen und im Gegenzug die Bestäubung übernehmen.

Außerhalb der Blütezeit durchwebt der Gundermann Wiesen, rankt sich über andere Pflanzen hinweg, guckt unter Zäunen hindurch und verbreitet seinen würzigen Duft sobald man die herzförmigen, gekerbten Blättchen zwischen den Fingern zerreibt.

Charakteristisch sind dann seine vierkantigen, fadenartigen Stängel mit denen er sich im Boden verankert, indem aus jedem Blattansatz Wurzeln wachsen. Diese Wuchsfreudigkeit kann man sich zunutze machen und seine Ranken ganz gezielt als Bodendecker, Unterbewuchs in Blumentöpfen oder als dekorative Blumenampelbepflanzung nutzen.

Auch für Kinder sind die Ranken eine tolle Spielpflanze. Es lassen sich aus ihnen dekorative Kränze, Armbändchen, Halsketten und Sonnenhut- Dekorationen winden mit denen man sich schmücken kann.

 

Seine Gerbstoffe, Bitterstoffe, Vitamine und Mineralstoffe und die Ätherischen Öle machen den Gundermann als Würzkraut und Heilpflanze interessant.

In der Volksheilkunde wird er bei Magenverstimmung, Durchfall, hartnäckigem Husten und bei Halsentzündungen eingesetzt. Sein Name offenbart noch mehr Heilpflanzenwissen. „Gund“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „gunt“ = Eiter ab. Als Heilpflanze schon den Germanen bekannt, wird Gundermann bis heute bei schlecht heilenden Wunden, Hautausschlägen und Insektenstichen eingesetzt.

In der Kräuterküche wird das würzige Kraut in Salaten, Suppen, Tee- und Erfrischungsgetränken, in Kräuterbutter, Kräuterquark und zu Kräuterkartoffeln verwendet.

 

Doch nun zur versprochenen süßen Kräuterküche, in der es sich mit Gundermann wunderbar experimentieren lässt.

Eine geschlagene Sahne oder eine Joghurtcreme mit feingeschnittenen Gundermannblättchen gewürzt und mit den kleinen Blüten bestreut, verleiht jeder Nachspeise eine besondere Note und als ausgefallene Dekoration auf Eis oder Kuchen eignet sich das Gundermann- Wiesenkonfekt.

Das verlangt zwar etwas Geduld, doch aus eigener Erfahrung weiß ich, es schmeckt so außergewöhnlich, dass man es immer wieder macht:)

 

Wiesenkonfekt

Schneiden oder zwicken sie schöne Gundermannblättchen mit Stiel ab und schmelzen Bitter- oder Vollmilchschokolade (je nach Vorliebe) im Wasserbad. Fassen sie die Blättchen am Blattstiel an und bepinseln sie die Oberfläche mit der Schokolade. Zum Trocken hat sich bei mir ein Backblech mit Pergamentpapier ausgelegt bewährt.

Zum Einsatz kommt das Wiesenkonfekt als Dekoration zum Eis, siehe unten, auf Torten, Kuchen, Quarkspeisen oder tiefgefroren als besondere Wiesenpraline.

 

Gundermanneis

Dazu waschen sie einige Gundermannblättchen (Menge nach Geschmack) und hacken diese fein.

Eine Banane pürieren sie dann mit 200 ml Sahne und heben den gehackten Gundermann unter. Die Masse kann mithilfe einer Eismaschine gefroren werden, oder man stellt sie einfach so in die Gefriertruhe.

Zurzeit nehme ich statt Banane Erdbeeren und später Himbeeren. Ein farblicher Knaller wird daraus, wenn sie das Wiesenkonfekt zum Erdbeereis mit weißer Schokolade herstellen.

Viel Freude mit dem Gundermann!

 

 

Liebe KräuterFreundinnen und KräuterFreunde!

26.05.2020 Die Natur und der Garten haben mich in Anspruch genommen. Deshalb komme ich erst heute wieder dazu Ihnen eine Pflanze vorzustellen. 

Falls sie Lust auf Brokkoli haben, aber keine Lust zum Einkaufen, dann viel Spaß mit dem Wiesen-Bärenklau!

 

Heute gibt es Brokkoli von der Wiese! 

Viele werden sich an ihr Pflanzenwissen aus der Kindheit entsinnen, da sie den

Wiesen- Bärenklau, Heracleum sphondylium als Futter für Stallhasen gesammelt haben.

Dass man die stattliche Pflanze essen kann, habe auch ich erst viel später erfahren, in der Kindheit hat mir leider niemand davon erzählt.

Wirklich schade, denn er schmeckt lecker!

Wiesen- Bärenklau hat ein kräftiges Aroma mit einem Hauch Süße und erinnert geschmacklich an Möhren, Sellerie und Fenchel.

Als Wildgemüse und ganz besonderes Geschmackserlebnis möchte ich ihnen den „Wiesenbrokkoli“, die leicht geöffneten Blütenstände des Wiesen- Bärenklaus, die vom Aussehen an Brokkoli erinnern, empfehlen.

Sie werden wie dieser in Butter geschwenkt (siehe Rezept), als Rohkost in Salaten verwendet oder einfach beim Spaziergang von der Pflanze genascht.

Doch der Wiesen- Bärenklau hat noch viel mehr zu bieten. Die Blätter und Blattstiele können sie zu Gemüse- und Kartoffelgerichten, in Suppen, Omeletts oder als Kräuterfüllungen für Pfannkuchen und Paprika verwenden. Größere Blätter lassen sich sogar als Blattrouladen füllen. Die Stängel sind geschält eine süße Rohkost oder blanchiert schmackhaft wie Spargel.

Die großen Doldenblüten, die Holunderblüten ähneln, können sie wie diese in Teig ausbacken und süß oder salzig auf den zu Tisch bringen.

Hübsch sehen die Blüten des Wiesen-Bärenklaus außerdem als essbare Dekoration über den Salat gestreut aus.

Sogar die Früchte können sie verwenden. Mit ihren ätherischen Ölen schmecken sie sehr kräftig nach Orange und Zitrone und können zur Aromatisierung in Kräutersalz, Brot, Getränken, Ansatzschnäpsen, Ölen und Essigen eingesetzt werden.

Zurzeit ist der stattliche Wiesen-Bärenklau aus der Familie der Doldenblütler mit seiner Wuchshöhe bis zu 1,5 m schon von weitem inmitten von Wiesen auszumachen.

Um Verwechslungen mit anderen Doldenblütlern auszuschließen, ist es wichtig in dieser Familie auf verschiedenste Merkmale zu achten.

Beim Wiesen- Bärenklau entwickeln sich die Blätter und Blütenstände in bauchigen Blattscheiden.

Sein borstig behaarter Stängel ist kantig und rau wie ein Reibeisen.

Auffallend sind seine grob-lappigen, dicht behaarten Blätter, die an eine Bärentatze erinnern.

Die, für diese Familie, typischen schirmartigen weißen Dolden setzen sich aus vielen kleinen Döldchen zusammen, bei denen die Randblüten der einzelnen Döldchen größer sind als die Blüten im Inneren.

Sein Geruch erinnert an Möhren und seine ovalen bis zu 1 cm langen Früchte bitzeln auf der Zunge, wenn man sie zerkaut.

Da es einige ungenießbare bis stark giftige Vertreter in der Familie der Doldenblütler gibt, wie z. B. den Schierling und die Hundspetersilie, ist es wichtig diese einzelnen Merkmale genau anzuschauen um Sicherheit bei der Ernte zu bekommen. Denn eines ist klar, sie müssen sich sicher sein, dass es die richtige Pflanze ist, die Sie ernten. Im Zweifel nehmen Sie ein Bestimmungsbuch zur Hand und/oder befragen eine/n Kräuterkundige/n.

Übung macht den Meister: Auch bei den Doldenblütlern!!

 

Übrigens: Doldenblütler tragen einen großen Teil zur täglichen Ernährung bei, sei es als Gemüse oder als Gewürz.

Von Petersilie bis Sellerie, von Liebstöckel bis Anis, Kümmel, Koriander, Fenchel und Möhren, von Giersch und Wilder Möhre bis zu Engelwurz und Wiesen-Kerbel, es ist für jeden Geschmack etwas dabei!

 

Wiesenbrokkoli

Dazu sammeln sie 4- 6 halbgeöffnete Blütenstände pro Person. Zusätzlich benötigen sie eine große Zwiebel, Butter, Kräutersalz, Pfeffer und weitere Gewürze nach Geschmack.

Die Blütenstände werden in etwas Salzwasser ca. 3 Minuten gedämpft. In der Zwischenzeit dünsten sie die kleingeschnittene Zwiebel in der Butter an, geben den gedämpften „Wiesenbrokkoli“ dazu und schwenken ihn in der Butter/Zwiebelmischung. Kräftig mit den Gewürzen abschmecken und fertig ist der selbst gesammelte „Wiesenbrokkoli“.

Guten Appetit!